Studie

Ein Fortpflanzungsmedizingesetz für Deutschland (2017)

(12 Seiten, ISBN: 978-3-8047-3791-4)

Die rechtliche Regelung der Fortpflanzungsmedizin ist dringend reformbedürftig. Das Embryonenschutzgesetz von 1990 erfasst die neuesten technischen Entwicklungen nicht, ist in manchen Bereichen unstimmig und lückenhaft, setzt die betroffenen Frauen, Paare und Kinder unnötigen gesundheitlichen Risiken aus, erschwert paradoxerweise die Durchsetzung von Kinderrechten und erzeugt Gerechtigkeitsprobleme und Rechtsunsicherheit für die betroffenen Paare und die behandelnden Ärztinnen und Ärzte.

Das Embryonenschutzgesetz enthält zudem nur strafrechtliche Verbote. Diese erlauben keine angemessene Reaktion auf die medizinische Entwicklung und den gesellschaftlichen Wandel und werden der Komplexität der Materie nicht gerecht.Diese Probleme müssen gelöst werden. Der Bundesgesetzgeber verfügt seit mehr als 20 Jahren über die Kompetenz zur Regelung der Fortpflanzungsmedizin. Er sollte in der kommenden Legislaturperiode ein umfassendes Fortpflanzungsmedizingesetz schaffen.

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Zukunftsfragen für die Forschung in der Kinder- und Jugendmedizin in Deutschland (2017)

Die Kinder- und Jugendmedizin trägt wesentlich zu einer besseren Ausgangslage für ein langes Leben in Gesundheit mit hoher Lebensqualität bei, denn die Grundlagen für viele chronische Erkrankungen im Erwachsenenalter werden bereits im Kindes- und Jugendalter gelegt.

Die Forschung in der Kinder- und Jugendmedizin hat jedoch Besonderheiten im Vergleich zur Erwachsenenmedizin: sie befasst sich, erstens, mit den Mechanismen der vorgeburtlichen und frühen Prägung; zweitens, mit Krankheitsmechanismen in Phasen der Organentwicklung, Organdifferenzierung und Organfunktionsreifung; drittens, mit den im Vergleich zum Erwachsenenalter wesentlich häufiger fassbaren genetischen Ursachen von Krankheiten und, viertens, nicht mit Volkskrankheiten, sondern mit seltenen Erkrankungen. Forschungsergebnisse aus der Kinder- und Jugendmedizin führen oft zu Erkenntnissen, die auch für Erkrankungen in späteren Lebensaltern relevant sind – sie bilden die Grundlage für die therapeutischen Maßnahmen im Sinne einer individualisierten Medizin oder besser: einer Präzisionsmedizin.

Um diese großen Herausforderungen auch vor dem Hintergrund signifikant reduzierter Ressourcen in der Universitätsmedizin zu meistern, bedeutet das für die Kinder- und Jugendmedizin: Kräfte bündeln und diejenigen Forschungs- und Innovationsziele benennen, welche die Kinderund Jugendmedizin als Querschnittsbereich krankheitsübergreifend mit anderen Disziplinen wie der Geburtsmedizin, der Humangenetik und Molekulargenetik verfolgt. Das Ziel ist es, die qualitätsgesicherte Translation in der Prävention, Diagnose, Therapie und Versorgung von Krankheiten bei Kindern- und Jugendlichen sicherzustellen und zu beschleunigen.

Diskussionspapier (16 Seiten, ISBN: 978-3-8047-3792-1)

Frühkindliche Sozialisation - Biologische, psychologische, linguistische, soziologische und ökonomische Perspektiven

Das volle Potenzial der intellektuellen und sozialen Leistungsfähigkeit eines Menschen kann nur durch die Verfügbarkeit optimaler Lernumwelten während der gesamten Entwicklung, die sich von der Geburt bis zum Tod erstreckt, ausgeschöpft werden. Zur gezielten funktionsorientierten Frühförderung von Kindern (insbesondere von solchen mit Migrationshintergrund oder aus sozioökonomisch schwachen Gesellschaftsbereichen) hat die Arbeitsgruppe evidenz-basierte Maßnahmen erarbeitet, die eine bessere Integration und das optimale Ausschöpfen der in der Gesellschaft vorhandenen Potenziale ermöglichen sollen.
(2014, 120 Seiten, ISBN: 978-3-8047-3285-8)
Kurzfassung
Volltext

Die Studie "Zukunft mit Kindern – Fertilität und gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz"

Die Studie der interdisziplinären Akademiengruppe "Zukunft mit Kindern – Fertilität und gesellschaftliche Entwicklung" verknüpft einen hochrangigen Status-Report zur Fertilitätsentwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit familienpolitischen und wissenschaftspolitischen Empfehlungen.

Diese wissenschaftliche Stellungnahme zu den Ursachen, den Auswirkungen und zu der Gestaltbarkeit der Fertilitätsentwicklung integriert erstmals demographische, medizinisch-biologische, sozialwissenschaftliche sowie familien- und gesellschaftspolitische Erkenntnisse und Perspektiven. Und sie zeigt auf, was sich in unserer Gesellschaft ändern muss, damit Eltern und Kinder sich wohl fühlen.

Exemplarische Kernbotschaften der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:

Votum für eine flexible Familienpolitik

Das Wohlbefinden von Eltern und Kindern kann nur gesichert werden, wenn Familienpolitik die Trias Zeit, Geld und Infrastruktur umfasst. Beispiele dafür: Eine Kindergrundsicherung, die transparent, unbürokratisch und verlässlich ist. Das Modell einer alltagstauglichen Familienzeit, die über einen Familienzeitkredit über den ganzen Lebenslauf hinweg abgesichert ist. Moderne kommunale Familien-Zentren, in die regionale Informations-, Betreuungs- und Förderangebote integriert werden (inkl. z.B. Elternberatung, Musikschule, Sportverein und Therapieeinrichtung).

Sexualerziehung professionalisieren und ausbauen

Kinder und Jugendliche sind über die Themen Sexualität und Fruchtbarkeit nicht ausreichend informiert. Notwendig ist eine flächendeckende Aufklärungsarbeit, die ergänzend zum regulären Schulunterricht durch gesondert geschulte Sexualpädagoginnen und -pädagogen erfolgt.
Wie die Sexualität gehört die Fruchtbarkeit zur weiblichen und männ­lichen Identität. Jugendliche sollten daher auf Basis fundierter Informationen das Bewusstsein dafür entwickeln können, ihren Körper und explizit auch ihre Fruchtbarkeit als kostbares Gut zu schätzen und zu schützen.

Reproduktionsmedizin: Chancen und Grenzen erkennen

Der "Fertility Gap" in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist hinreichend belegt. Um jedoch diese Kluft zwischen formulierten Kinderwünschen und tatsächlichen Geburtenraten richtig zu verstehen, ist zu berücksichtigen, dass sich heute mehr Menschen erst später in ihrem Leben für (mehr) Kinder entscheiden.
Moderne Reproduktionsmedizin kann viel – aber auch sie findet ihre Grenzen in der menschlichen Biologie. Eine sinnvolle Beratungspolitik hilft Paaren dabei, eine "informierte" Entscheidung zu treffen, ob, wann und wie viele Kinder sie im Lebenslauf einplanen.

Den demographischen Wandel gestalten

Der demografische Wandel bietet die Chance, den ungünstigen Fokus auf die mittlere Lebensphase zu überdenken, in der viele Herausforderungen gleichzeitig bewältigt werden müssen; stattdessen sollte die aktive Gestaltung des gesamten Erwachsenenlebens angestrebt werden.
Eine zukunftsweisende Demographie-Strategie erfordert von Gesellschaft und Politik, Schlüsselbereiche unseres Zusammenlebens konsequent neu zu denken. Für die Kernthemen Altern/Lebenserwartung und Fertilitätsentwicklung stehen dazu fachübergreifende wissenschaftliche Expertisen der Akademien bereit.

Die Studie "Zukunft mit Kindern – Fertilität und gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz" ist seit dem 15. Oktober 2012 über den Buchhandel sowie über den Campus Verlag erhältlich.

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Broschüre

Die Präsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina (Hg.):

ZUKUNFT MIT KINDERN
Mythen, Kernaussagen und Empfehlungen
zu Fertilität und gesellschaftlicher Entwicklung

76 Seiten, Berlin 2012
ISBN 978-3-939818-29-8

Publikation

Günter Stock, Hans Bertram,
Alexia Fürnkranz-Prskawetz,
Wolfgang Holzgreve, Martin Kohli,
Ursula M. Staudinger (Hg.):

Zukunft mit Kindern Fertilität und gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz
kartoniert, 473 Seiten,
div. Abbildungen und Tabellen
Frankfurt am Main, New York:
Campus Verlag 2012
ISBN 978-3-593-39753-5