Leichter gesagt als getan: Neue Studie über die Umsetzung zeitnaher Elternschaftsabsichten

Seit Jahrzehnten bekommen die Deutschen weniger Kinder, als sie sich wünschen. Doch welche Umstände halten sie eigentlich davon ab, ihre Vorstellung von Familie in die Tat umzusetzen? Anne-Kristin Kuhnt ist dieser Frage nachgegangen. Für ihre Dissertation „Kinderwünsche im Lebensverlauf“ ist die an der Universität Duisburg-Essen forschende Soziologin jetzt mit dem Allianz Nachwuchspreis für Demografie ausgezeichnet worden.

Weniger als die Hälfte der Frauen und Männer in Deutschland, die sagen, dass sie gern ein Kind bekämen, realisieren ihren Wunsch innerhalb von zwei Jahren. Das mag biologische Gründe haben: Da vor allem gut ausgebildete Frauen oft spät mit ihrer Familienplanung beginnen, bleiben viele Paare ungewollt kinderlos. Oft sind es aber ganz andere Ursachen, die zur sogenannten Fruchtbarkeitslücke führen, also zu der Differenz zwischen gewollter und tatsächlich vorhandener Kinderzahl.

Ein wichtiger Aspekt, der die Familienplanung beeinflusst, ist einer Analyse von Anne-Kristin Kuhnt zufolge die berufliche Situation. Interessant sei insbesondere, dass Kinderwünsche von Männern eher umgesetzt würden, wenn diese in Vollzeit arbeiteten, sagt Kuhnt. Für Frauen zeige sich ein gegenteiliges Bild: Sie bekämen ihr Wunschkind eher, wenn sie in Teilzeit beschäftigt seien. „Die Arbeitsteilung ‚Mann Vollzeit, Frau Teilzeit’ scheint nach wie vor Bestand zu haben“, stellt Kuhnt fest.

Für ihre Dissertation, die sie am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock erarbeitet hat, wertete die Soziologin Daten der deutschen Längsschnittstudie „pairfam“ (Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics) aus. Im Rahmen dieser Erhebung wurden seit dem Jahr 2008 mehr als 12.000 Personen unterschiedlicher Altersgruppen wiederholt zu ihrer partnerschaftlichen und familiären Lebenssituation befragt. Auch die Partner der Studienteilnehmer wurden in die Analyse miteinbezogen.

Frauen sind in ihrem Kinderwunsch stabiler als Männer

Kuhnt untersuchte mithilfe der pairfam-Daten zum einen, inwieweit Kinderwünsche über einen längeren Zeitraum hinweg stabil bleiben, und zum anderen, was Frauen und Männer davon abhält, ihren Kinderwunsch zu realisieren. Insgesamt zeigte sich dabei, dass die Vorstellungen von der idealen Kinderzahl relativ großen Schwankungen unterliegen. Mehr als die Hälfte (53,9 Prozent) der Befragten änderten ihre Angaben mindestens einmal innerhalb von vier Jahren. Bei der Frage nach der realistisch erwarteten Kinderzahl waren es sogar 65,5 Prozent.

Allerdings werden die Angaben mit zunehmendem Alter der Befragten stabiler. Darüber hinaus sind die Vorstellungen bei Frauen meist gefestigter als bei Männern. Eine entscheidende Rolle bei der Stabilität von Kinderwünschen spielt zudem der Partner: Sowohl Trennungen als auch das Eingehen einer neuen Partnerschaft führen vielfach dazu, dass sich die Vorstellung von der idealen Familie verändert.

Das Fehlen eines festen Partners gehöre – wenig überraschend – zu einer der wichtigsten Hürden, die Menschen davon abhalte, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen, sagt Kuhnt. Bei Menschen, die in einer festen Partnerschaft leben, ist es hingegen häufiger die finanzielle Unsicherheit, die sie vor einer Elternschaft zurückschrecken lässt. Das gilt insbesondere für Personen, die noch keine Kinder haben. Generell setzten in Vollzeit erwerbstätige Männer ihren Kinderwunsch eher um als Arbeitslose oder geringfügig Beschäftigte, sagt Kuhnt. Insbesondere dieses Ergebnis hält die Wissenschaftlerin für sozialpolitisch relevant.

Ganztagsbetreuung bietet mehr Planungssicherheit für Familien

Es sei unwahrscheinlich, dass familienpolitische Maßnahmen, die vornehmlich auf finanzielle Anreize setzten, zu mehr Kindern in Deutschland führten, so ein Fazit von Anne-Kristin Kuhnt. Wichtiger seien Maßnahmen, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen von Familien orientierten, etwa ein weiterer Ausbau der institutionellen Ganztagsbetreuung.

Die Soziologin hat noch einen weiteren Tipp für Familienpolitiker parat: „Würde diese Kinderbetreuung auch noch kostenfrei zur Verfügung stehen, wären etwaige finanzielle Hürden gleich mit aus dem Weg geräumt.“

Lilo Berg

Weiterführende Informationen
 

Seit Jahrzehnten bekommen die Deutschen weniger Kinder, als sie sich wünschen. Doch welche Umstände halten sie eigentlich davon ab, ihre Vorstellung von Familie in die Tat umzusetzen? Anne-Kristin Kuhnt ist dieser Frage nachgegangen. Für ihre Dissertation „Kinderwünsche im Lebensverlauf“ ist die an der Universität Duisburg-Essen forschende Soziologin jetzt mit dem Allianz Nachwuchspreis für Demografie ausgezeichnet worden.

Weniger als die Hälfte der Frauen und Männer in Deutschland, die sagen, dass sie gern ein Kind bekämen, realisieren ihren Wunsch innerhalb von zwei Jahren. Das mag biologische Gründe haben: Da vor allem gut ausgebildete Frauen oft spät mit ihrer Familienplanung beginnen, bleiben viele Paare ungewollt kinderlos. Oft sind es aber ganz andere Ursachen, die zur sogenannten Fruchtbarkeitslücke führen, also zu der Differenz zwischen gewollter und tatsächlich vorhandener Kinderzahl.

Ein wichtiger Aspekt, der die Familienplanung beeinflusst, ist einer Analyse von Anne-Kristin Kuhnt zufolge die berufliche Situation. Interessant sei insbesondere, dass Kinderwünsche von Männern eher umgesetzt würden, wenn diese in Vollzeit arbeiteten, sagt Kuhnt. Für Frauen zeige sich ein gegenteiliges Bild: Sie bekämen ihr Wunschkind eher, wenn sie in Teilzeit beschäftigt seien. „Die Arbeitsteilung ‚Mann Vollzeit, Frau Teilzeit’ scheint nach wie vor Bestand zu haben“, stellt Kuhnt fest.

Für ihre Dissertation, die sie am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock erarbeitet hat, wertete die Soziologin Daten der deutschen Längsschnittstudie „pairfam“ (Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics) aus. Im Rahmen dieser Erhebung wurden seit dem Jahr 2008 mehr als 12.000 Personen unterschiedlicher Altersgruppen wiederholt zu ihrer partnerschaftlichen und familiären Lebenssituation befragt. Auch die Partner der Studienteilnehmer wurden in die Analyse miteinbezogen.

Frauen sind in ihrem Kinderwunsch stabiler als Männer

Kuhnt untersuchte mithilfe der pairfam-Daten zum einen, inwieweit Kinderwünsche über einen längeren Zeitraum hinweg stabil bleiben, und zum anderen, was Frauen und Männer davon abhält, ihren Kinderwunsch zu realisieren. Insgesamt zeigte sich dabei, dass die Vorstellungen von der idealen Kinderzahl relativ großen Schwankungen unterliegen. Mehr als die Hälfte (53,9 Prozent) der Befragten änderten ihre Angaben mindestens einmal innerhalb von vier Jahren. Bei der Frage nach der realistisch erwarteten Kinderzahl waren es sogar 65,5 Prozent.

Allerdings werden die Angaben mit zunehmendem Alter der Befragten stabiler. Darüber hinaus sind die Vorstellungen bei Frauen meist gefestigter als bei Männern. Eine entscheidende Rolle bei der Stabilität von Kinderwünschen spielt zudem der Partner: Sowohl Trennungen als auch das Eingehen einer neuen Partnerschaft führen vielfach dazu, dass sich die Vorstellung von der idealen Familie verändert.

Das Fehlen eines festen Partners gehöre – wenig überraschend – zu einer der wichtigsten Hürden, die Menschen davon abhalte, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen, sagt Kuhnt. Bei Menschen, die in einer festen Partnerschaft leben, ist es hingegen häufiger die finanzielle Unsicherheit, die sie vor einer Elternschaft zurückschrecken lässt. Das gilt insbesondere für Personen, die noch keine Kinder haben. Generell setzten in Vollzeit erwerbstätige Männer ihren Kinderwunsch eher um als Arbeitslose oder geringfügig Beschäftigte, sagt Kuhnt. Insbesondere dieses Ergebnis hält die Wissenschaftlerin für sozialpolitisch relevant.

Ganztagsbetreuung bietet mehr Planungssicherheit für Familien

Es sei unwahrscheinlich, dass familienpolitische Maßnahmen, die vornehmlich auf finanzielle Anreize setzten, zu mehr Kindern in Deutschland führten, so ein Fazit von Anne-Kristin Kuhnt. Wichtiger seien Maßnahmen, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen von Familien orientierten, etwa ein weiterer Ausbau der institutionellen Ganztagsbetreuung.

Die Soziologin hat noch einen weiteren Tipp für Familienpolitiker parat: „Würde diese Kinderbetreuung auch noch kostenfrei zur Verfügung stehen, wären etwaige finanzielle Hürden gleich mit aus dem Weg geräumt.“

Lilo Berg

Weiterführende Informationen
 

Publikation

Günter Stock, Hans Bertram,
Alexia Fürnkranz-Prskawetz,
Wolfgang Holzgreve, Martin Kohli,
Ursula M. Staudinger (Hg.):

Zukunft mit Kindern Fertilität und gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz
kartoniert, 473 Seiten,
div. Abbildungen und Tabellen
Frankfurt am Main, New York:
Campus Verlag 2012
ISBN 978-3-593-39753-5